hauptstadt:

Fassi’s Sohn
Er saß mit ihr in einer Bar in Kreuzberg und sie tranken gemütlich ihren Kaffee… Dieses Mädchen mit den wunderschönen dunklen Augen war eine wunderbare Zuhörerin… Er hatte das Gefühl, dass er ihr alles sagen konnte…
„Ich bin schwer kategorisierbar. Durch meine jüdische Mutter bin ich eigentlich ein Jude, durch meinen moslemischen Vater bin ich aber ein Moslem. Aber im Grunde bin ich gar nichts. Ich bin von meinen Eltern nicht religiös erzogen worden. Sie haben sicher keine Vor- oder Nachteile einer solchen Erziehung abgewogen oder sich bewusst dafür entschieden. Es war wahrscheinlich aus reiner Vernachlässigung. Sie kümmerten sich ja sowieso ziemlich wenig um mich. Ich habe mich praktisch selbst erzogen. So kommt es mir wenigstens heute vor. Aber was soll man von ihnen verlangen, wo sie sich doch selbst nicht um ihre eigene Religion groß scherten. Nicht mal Traditionen oder große Feste waren ihnen besonders wichtig. Außer, dass es bei uns zu Hause kein Schweinefleisch gab. Darin waren sie sich beide einig. Das hatte aber wirklich nichts mit Religion oder Überzeugung zu tun. Das war nur rein gewohnheitsmäßig so, weil sie es beide nicht anders kannten.
Angesichts ihrer gemischten Ehe ist es wohl auch kein Wunder, dass sie nicht mit ihrer Religiosität hausieren gingen. Vielleicht war es ihre einzige Chance, so Ihre Unterschiede in Einklang zu bringen. Einfach alles zu verleugnen, was vorher war. Und alles was danach kam, sich nicht noch schwerer als es sowieso schon war, mit faulen Kompromissen zu machen. Oder sie haben beide ihre Gläubigkeit einfach schon viel früher eingebüßt. Mama als sie im Kibbuz ihre Freiheit genießen wollte, und Papa als er seine Heimat verließ und sich vor ihm eine neue, freizügige Welt eröffnet hatte. Ich weiß es nicht…
Na ja, jedenfalls war ich trotzdem gläubig. Auf meine eigene Art, ganz ohne mich an irgendwelchen Traditionen orientieren zu müssen. Ich habe auch schon immer gebetet. So lange ich mich erinnern kann, habe ich schon gebetet. Meine Gebete hatten keine besondere Form, ich unterhielt mich einfach mit Gott. Nein, ich führte in meinen Gedanken lange Monologe, bevor ich einschlief. Irgendwie hoffte ich immer, dass mich jemand oder etwas hörte. Dass mir jemand Aufmerksamkeit schenkte. Das jemand eine Macht hatte mich zu lenken, auf mein Leben von außer Einfluss zu nehmen. Die Schwierigkeiten zu beseitigen, die ich nicht beseitigen konnte. Laut hätte ich es nie ausgesprochen, aber so privat wie meine Gedanken auch waren, so sehr waren sie auch immer mit einer Bitte, mit einer Hoffnung verbunden. Und weißt du was mein Lieblingsgebet war? Wenn ich es genau bedenke, ist es immer noch mein Lieblingsgebet…
„Lieber Gott ich danke dir für alles, was du mir an heutigem Tag geschenkt hast, und gib mir bitte an keinem zukünftigen Tag meines Lebens weniger Gutes, als du mir heute gegeben hast.“
Und erstaunlicherweise, immer wenn ich besonders intensiv um etwas bat, dann bekam ich es auch von Gott geschenkt. Immer wenn ich mir etwas besonders wichtiges in den Kopf gesetzt hatte und Gott darum bat, da manifestierte sich mir seine Macht und Allmächtigkeit, indem er mir die Wünsche erfüllte. Keine materiellen Wünsche. Es ging immer um Situationen, es ging darum mein Schicksal so zu fügen, wie es für mich am günstigsten wäre. Und durch diese indirekten Beweise war es mir eindeutig klar, dass es Gott gab. Dass er Einfluss hat auf das ganze Geschehen, dass er alles lenkt. Man braucht ihn nur zu bitten, besonders intensiv zugegeben, aber diese Mühe ist wirklich nicht der Rede wert. Dafür bekommt man doch alles, was man sich wünscht. Ist das nicht phantastisch?

hauptstadt:

Fassi’s Sohn

Er saß mit ihr in einer Bar in Kreuzberg und sie tranken gemütlich ihren Kaffee… Dieses Mädchen mit den wunderschönen dunklen Augen war eine wunderbare Zuhörerin… Er hatte das Gefühl, dass er ihr alles sagen konnte…

„Ich bin schwer kategorisierbar. Durch meine jüdische Mutter bin ich eigentlich ein Jude, durch meinen moslemischen Vater bin ich aber ein Moslem. Aber im Grunde bin ich gar nichts. Ich bin von meinen Eltern nicht religiös erzogen worden. Sie haben sicher keine Vor- oder Nachteile einer solchen Erziehung abgewogen oder sich bewusst dafür entschieden. Es war wahrscheinlich aus reiner Vernachlässigung. Sie kümmerten sich ja sowieso ziemlich wenig um mich. Ich habe mich praktisch selbst erzogen. So kommt es mir wenigstens heute vor. Aber was soll man von ihnen verlangen, wo sie sich doch selbst nicht um ihre eigene Religion groß scherten. Nicht mal Traditionen oder große Feste waren ihnen besonders wichtig. Außer, dass es bei uns zu Hause kein Schweinefleisch gab. Darin waren sie sich beide einig. Das hatte aber wirklich nichts mit Religion oder Überzeugung zu tun. Das war nur rein gewohnheitsmäßig so, weil sie es beide nicht anders kannten.

Angesichts ihrer gemischten Ehe ist es wohl auch kein Wunder, dass sie nicht mit ihrer Religiosität hausieren gingen. Vielleicht war es ihre einzige Chance, so Ihre Unterschiede in Einklang zu bringen. Einfach alles zu verleugnen, was vorher war. Und alles was danach kam, sich nicht noch schwerer als es sowieso schon war, mit faulen Kompromissen zu machen. Oder sie haben beide ihre Gläubigkeit einfach schon viel früher eingebüßt. Mama als sie im Kibbuz ihre Freiheit genießen wollte, und Papa als er seine Heimat verließ und sich vor ihm eine neue, freizügige Welt eröffnet hatte. Ich weiß es nicht…

Na ja, jedenfalls war ich trotzdem gläubig. Auf meine eigene Art, ganz ohne mich an irgendwelchen Traditionen orientieren zu müssen. Ich habe auch schon immer gebetet. So lange ich mich erinnern kann, habe ich schon gebetet. Meine Gebete hatten keine besondere Form, ich unterhielt mich einfach mit Gott. Nein, ich führte in meinen Gedanken lange Monologe, bevor ich einschlief. Irgendwie hoffte ich immer, dass mich jemand oder etwas hörte. Dass mir jemand Aufmerksamkeit schenkte. Das jemand eine Macht hatte mich zu lenken, auf mein Leben von außer Einfluss zu nehmen. Die Schwierigkeiten zu beseitigen, die ich nicht beseitigen konnte. Laut hätte ich es nie ausgesprochen, aber so privat wie meine Gedanken auch waren, so sehr waren sie auch immer mit einer Bitte, mit einer Hoffnung verbunden. Und weißt du was mein Lieblingsgebet war? Wenn ich es genau bedenke, ist es immer noch mein Lieblingsgebet…

„Lieber Gott ich danke dir für alles, was du mir an heutigem Tag geschenkt hast, und gib mir bitte an keinem zukünftigen Tag meines Lebens weniger Gutes, als du mir heute gegeben hast.“

Und erstaunlicherweise, immer wenn ich besonders intensiv um etwas bat, dann bekam ich es auch von Gott geschenkt. Immer wenn ich mir etwas besonders wichtiges in den Kopf gesetzt hatte und Gott darum bat, da manifestierte sich mir seine Macht und Allmächtigkeit, indem er mir die Wünsche erfüllte. Keine materiellen Wünsche. Es ging immer um Situationen, es ging darum mein Schicksal so zu fügen, wie es für mich am günstigsten wäre. Und durch diese indirekten Beweise war es mir eindeutig klar, dass es Gott gab. Dass er Einfluss hat auf das ganze Geschehen, dass er alles lenkt. Man braucht ihn nur zu bitten, besonders intensiv zugegeben, aber diese Mühe ist wirklich nicht der Rede wert. Dafür bekommt man doch alles, was man sich wünscht. Ist das nicht phantastisch?

338 Tag des Jahres 2009
hauptstadt:

Ich bin’s nicht gewesen, ich bin immer brav…
Es war wohl der andere, der ist hier das Schaf…
Ich mach’ nie was falsch, niemals nie und nimmer…
Schau mal die anderen, die sind doch viel schlimmer…

hauptstadt:

Ich bin’s nicht gewesen, ich bin immer brav…

Es war wohl der andere, der ist hier das Schaf…

Ich mach’ nie was falsch, niemals nie und nimmer…

Schau mal die anderen, die sind doch viel schlimmer…

335 Tag des Jahres 2009
hauptstadt:

Der Schrein eines Diktators…
Hoch oben auf der Zitadelle in Kairo, unter der Alabastermoschee gibt es ein unscheinbares Museum - das Ägyptische Militärmuseum…
Von den Touristen kaum beachtet, denn fast nie führt sie ihr Weg dorthin… Dafür aber umso mehr die zahllosen ägyptischen Schulklassen, die angehalten werden dorthin zu pilgern… Zu dem Schrein eines Diktators…
Denn schon in der Eingangshalle findet sich über den militärischen Erfindungen der Pharaone, ein übermenschlich großes Porträt des Präsidenten - Muhammad Husni Mubarak.… Wie überall im Land eigentlich… Hier allerdings während des Krieges, in Uniform, wie es sich für ein Militärmuseum gehört…
Mubarak thront über den altertümlichen ägyptischen Herrschern - der Generalleutnant, der bis heute dieses Land regiert… Und das hier ist sein Sanktuarium…
Wenn man durch dieses Museum wandelt, dann wird man nicht das Gefühl los, dass alles, die ganze, so rühmliche altertümliche Geschichte, in seiner Person kulminiert… So soll es auch sein, und in diesem Gefühl wird seit den 70ern die ägyptische Jugend indoktriniert… Und diese macht inziwschen mehr als die Hälfte der ägyptischen Bevölkerung aus…
Dieses Museum gäbe es aber wahrscheinlich nicht, wenn sich die westliche Welt dazu entschließen würde die Diktaturen in den arabischen Ländern nicht zu unterstützen. Genau das aber wird gemacht. Denn der Welt passt es ganz gut die arabischen Länder in Händen von “gemäßigten” Diktatoren zu wissen…
In der kolonialistischen Sicht auf die arabische Welt, die bis heute vorherrscht, sei ein Diktator besser für die Ägypter, und die anderen Araber, weil sie nicht fähig seien, sich selbst zu regieren - das ist die vorherrschende Meinung, die selbstverständlich keiner wagen würde laut auszusprechen.
Im Stillen ist man aber immer noch der Ansicht, dass Demokratie gut und recht für Europäer und Amerikaner sei, aber für “diese Leute” sei ein “gemässigter” Diktator doch genau das Richtige. Im tiefsten Grund hegt die politische Rechte im Westen das Gefühl, dass Araber, das heißt Muslime, die Demokratie nicht verdienen, und obwohl es nie laut gesagt wird, ist es auch so aber nicht allzu schwer zu verstehen…
…
Hier ein wunderbarer NZZ-Artikel zu diesem Thema…

hauptstadt:

Der Schrein eines Diktators

Hoch oben auf der Zitadelle in Kairo, unter der Alabastermoschee gibt es ein unscheinbares Museum - das Ägyptische Militärmuseum

Von den Touristen kaum beachtet, denn fast nie führt sie ihr Weg dorthin… Dafür aber umso mehr die zahllosen ägyptischen Schulklassen, die angehalten werden dorthin zu pilgern… Zu dem Schrein eines Diktators…

Denn schon in der Eingangshalle findet sich über den militärischen Erfindungen der Pharaone, ein übermenschlich großes Porträt des Präsidenten - Muhammad Husni Mubarak.… Wie überall im Land eigentlich… Hier allerdings während des Krieges, in Uniform, wie es sich für ein Militärmuseum gehört…

Mubarak thront über den altertümlichen ägyptischen Herrschern - der Generalleutnant, der bis heute dieses Land regiert… Und das hier ist sein Sanktuarium…

Wenn man durch dieses Museum wandelt, dann wird man nicht das Gefühl los, dass alles, die ganze, so rühmliche altertümliche Geschichte, in seiner Person kulminiert… So soll es auch sein, und in diesem Gefühl wird seit den 70ern die ägyptische Jugend indoktriniert… Und diese macht inziwschen mehr als die Hälfte der ägyptischen Bevölkerung aus…

Dieses Museum gäbe es aber wahrscheinlich nicht, wenn sich die westliche Welt dazu entschließen würde die Diktaturen in den arabischen Ländern nicht zu unterstützen. Genau das aber wird gemacht. Denn der Welt passt es ganz gut die arabischen Länder in Händen von “gemäßigten” Diktatoren zu wissen…

In der kolonialistischen Sicht auf die arabische Welt, die bis heute vorherrscht, sei ein Diktator besser für die Ägypter, und die anderen Araber, weil sie nicht fähig seien, sich selbst zu regieren - das ist die vorherrschende Meinung, die selbstverständlich keiner wagen würde laut auszusprechen.

Im Stillen ist man aber immer noch der Ansicht, dass Demokratie gut und recht für Europäer und Amerikaner sei, aber für “diese Leute” sei ein “gemässigter” Diktator doch genau das Richtige. Im tiefsten Grund hegt die politische Rechte im Westen das Gefühl, dass Araber, das heißt Muslime, die Demokratie nicht verdienen, und obwohl es nie laut gesagt wird, ist es auch so aber nicht allzu schwer zu verstehen…

Hier ein wunderbarer NZZ-Artikel zu diesem Thema…

335 Tag des Jahres 2009
hauptstadt:

Wie die Engel im Chore sing’n, sollt’ keiner einsam leb’n…
Wie die Teufel in Scharen spring’n, sollt’ keiner sich jemals ergeb’n…
Wie die Tore des Himmels off’n steh’n, sollt’ keiner je Angst haben müssn’…
Wie die Tore der Hölle zugehn’, sollt’ keiner dann zu lange büßn’…

hauptstadt:

Wie die Engel im Chore sing’n,
sollt’ keiner einsam leb’n…

Wie die Teufel in Scharen spring’n,
sollt’ keiner sich jemals ergeb’n…

Wie die Tore des Himmels off’n steh’n,
sollt’ keiner je Angst haben müssn’…

Wie die Tore der Hölle zugehn’,
sollt’ keiner dann zu lange büßn’…

335 Tag des Jahres 2009
hauptstadt:

Wo es an Input mangelt, da fehlt auch Output…

hauptstadt:

Wo es an Input mangelt, da fehlt auch Output

335 Tag des Jahres 2009
hauptstadt:

Deutschland ist nicht das Land für verschlungene Pfade…
In diesem Land sind die Pfade längst durchgetreten, asphaltiert und in dreispurige Autobahnen überführt worden, möglichst geradlinig… Für jemanden, der da eigene Wege gehen möchte ist es äußerst schwer…
Da kann man nicht einfach so mir nichts dir nichts versuchen bessere Lösungen zu finden - ein wenig vom vorgegebenen Weg abweichen… Auch wenn es vernünftiger und manchmal sogar kürzer scheint… Hier ist nicht das richtige Land dafür…
Man stelle sich doch einfach mal nur die Blicke, der an einem auf der Autobahn vorbeifahrenden und mitleidig mit der Zunge schnalzenden BMW-Fahrer vor, wenn sie einen dabei erwischen würden, dass einer sein eigenes Pfädchen als Abkürzung zwischen den vorhandenen Straßen bauen wollte…
Und wehe einem, wenn sie den naiven tatsächlich mit seiner Schaufel, einfach mal aus Mitleid oder auch Interesse, machen ließen, soll er doch einfach mal graben… Dann aber die vom Straßenoberaufsichtsamt mitbekämen, dass er da ganz aus Versehen, wirklich ungewollt, ein bißchen die seitlich angebrachten Wasserrohre mit seinem Schaufelchen angekratzt hätte!…. Na in seiner Haut möchte ich nicht stecken…
Ausprobieren darf man sich hier leider nicht… Die Fehler sind schon längst gemacht worden, von den vorigen Generationen, die solle man gefälligst nicht nochmal begehen!…
Um sich einen Alternativweg ganz alleine auszudenken, was sage ich: auch nur den Gedanken zu erwägen, dass nicht alle vorhandenen Straßenbau-Lösungen optimal sind, da braucht es schon eine ganze Menge Mut und viel Selbstvertrauen in diesem unseren Land…
Aber es gibt sie doch - die Pioniere, die mit ihrer Schaufel losziehen und einfach mal machen… Die muss es doch irgendwo geben… Es kann doch noch nicht alles fertig und perfekt sein in Deutschland, so wie die Autobahnen heutzutage angelegt sind!….
Da sind doch ganz viele neue Ortschaften entstanden seit der Straßenplanung vor Generationen!… Ganz neue Baustellen…
Vertrauen wir wirklich dem Straßenoberaufsichtsamt, dass es sich ganz von alleine darum kümmern wird, dass die Neustädte auch angeschlossen werden, dass kürzere Strecken erschlossen werden, neue Abfahrten entstehen?… Die von da oben haben doch schon soooo viel damit zu tun sich ein neues Mautsystem auszudenken…

hauptstadt:

Deutschland ist nicht das Land für verschlungene Pfade

In diesem Land sind die Pfade längst durchgetreten, asphaltiert und in dreispurige Autobahnen überführt worden, möglichst geradlinig… Für jemanden, der da eigene Wege gehen möchte ist es äußerst schwer…

Da kann man nicht einfach so mir nichts dir nichts versuchen bessere Lösungen zu finden - ein wenig vom vorgegebenen Weg abweichen… Auch wenn es vernünftiger und manchmal sogar kürzer scheint… Hier ist nicht das richtige Land dafür…

Man stelle sich doch einfach mal nur die Blicke, der an einem auf der Autobahn vorbeifahrenden und mitleidig mit der Zunge schnalzenden BMW-Fahrer vor, wenn sie einen dabei erwischen würden, dass einer sein eigenes Pfädchen als Abkürzung zwischen den vorhandenen Straßen bauen wollte…

Und wehe einem, wenn sie den naiven tatsächlich mit seiner Schaufel, einfach mal aus Mitleid oder auch Interesse, machen ließen, soll er doch einfach mal graben… Dann aber die vom Straßenoberaufsichtsamt mitbekämen, dass er da ganz aus Versehen, wirklich ungewollt, ein bißchen die seitlich angebrachten Wasserrohre mit seinem Schaufelchen angekratzt hätte!…. Na in seiner Haut möchte ich nicht stecken…

Ausprobieren darf man sich hier leider nicht… Die Fehler sind schon längst gemacht worden, von den vorigen Generationen, die solle man gefälligst nicht nochmal begehen!…

Um sich einen Alternativweg ganz alleine auszudenken, was sage ich: auch nur den Gedanken zu erwägen, dass nicht alle vorhandenen Straßenbau-Lösungen optimal sind, da braucht es schon eine ganze Menge Mut und viel Selbstvertrauen in diesem unseren Land…

Aber es gibt sie doch - die Pioniere, die mit ihrer Schaufel losziehen und einfach mal machen… Die muss es doch irgendwo geben… Es kann doch noch nicht alles fertig und perfekt sein in Deutschland, so wie die Autobahnen heutzutage angelegt sind!….

Da sind doch ganz viele neue Ortschaften entstanden seit der Straßenplanung vor Generationen!… Ganz neue Baustellen…

Vertrauen wir wirklich dem Straßenoberaufsichtsamt, dass es sich ganz von alleine darum kümmern wird, dass die Neustädte auch angeschlossen werden, dass kürzere Strecken erschlossen werden, neue Abfahrten entstehen?… Die von da oben haben doch schon soooo viel damit zu tun sich ein neues Mautsystem auszudenken…

335 Tag des Jahres 2009
hauptstadt:

Welche Geschichten erzählen wir? Die ungewöhnlichen…!
Sie werden immer und immer wieder repetiert, bis zur Unkenntlichkeit gekürzt, verlängert, hingebogen, bis sie zu Anekdoten werden… Zu den Anekdoten unseres Lebens… Diese Geschichten definieren uns nach außen…
Diese sind aber nicht die Geschichten, in die wir uns später in den sentimentalen Momenten, am liebsten zurückversetzen würden…
Wo bleiben denn die alltäglichen Momente, die unser Leben ausmachten? Diese Geschichten, die uns nach innen definieren…  Diese ganz gewöhnlichen Stunden, in die unsere Tage aufgeteilt waren?…
In die wollen wir später eintauchen, uns ein wenig in den vergessenen Gerüchen, den unterschätzten Tätigkeiten, dem ungeliebten Alltag von damals suhlen, Trost finden…
Die gewöhnlichen Geschichten sind es, die uns fehlen werden… Früher oder später…

hauptstadt:

Welche Geschichten erzählen wir? Die ungewöhnlichen…!

Sie werden immer und immer wieder repetiert, bis zur Unkenntlichkeit gekürzt, verlängert, hingebogen, bis sie zu Anekdoten werden… Zu den Anekdoten unseres Lebens… Diese Geschichten definieren uns nach außen…

Diese sind aber nicht die Geschichten, in die wir uns später in den sentimentalen Momenten, am liebsten zurückversetzen würden…

Wo bleiben denn die alltäglichen Momente, die unser Leben ausmachten? Diese Geschichten, die uns nach innen definieren…  Diese ganz gewöhnlichen Stunden, in die unsere Tage aufgeteilt waren?…

In die wollen wir später eintauchen, uns ein wenig in den vergessenen Gerüchen, den unterschätzten Tätigkeiten, dem ungeliebten Alltag von damals suhlen, Trost finden…

Die gewöhnlichen Geschichten sind es, die uns fehlen werden… Früher oder später…

335 Tag des Jahres 2009
hauptstadt:

Gesellschaftskritik liegt mir im Blut…
Es ist einfach eine andere Art von Klatsch, und der hält seit jeher die Zivilisation am laufen…
Über die Nachbarin, diese mit den 3 Kindern, die immer die Läuse in den Kindergarten anschleppen, kann ich auch schimpfen, wie die anderen auch… Aber nicht so persönlich, eher kürzer und eben gesellschaftskritischer… Ich versuche es immer in einem größeren Zusammenhang zu sehen… Das gehört sich so, finde ich…
Übrigens lese ich gerade Alfred Döblins “Berlin Alexanderplatz“… Gesellschaftskritik par excellence…
Zu lange habe ich während meiner langer Schichten im Museum das Buch immer ansehen müssen, hinter der Vitrine… Dieses alte hervorragende Cover mit dem Einbahnstraßen-Schild… Ich würde auch gerne Ben Becker in diesem Stück am Theater sehen, wenn es denn noch auf dem Spielplan steht…
Übrigens das oben auf dem Photo, das ist auch Berlin Alexanderplatz… Nicht das von Döblin, aber meins, mein ganz persönliches Berlin Alexanderplatz… Ich habe viele Erinnerungen an diesen Ort, aus ganz verschiedenen Zeiten… Ich bin da wohl nicht die einzige… Da muss man aber sehr tief eintauchen, denn es ist surreal… Wie das Photo…
Ist dieses Berlin Alexanderplatz denn aber anders als das von Döblin…? Ich denke nicht… Eben nur 80 Jahre älter…
…
“Wir sehen am Schluß den Mann wieder am Alexanderplatz stehen, sehr verändert, ramponiert, aber doch zurechtgebogen. Dies zu betrachten und zu hören wird sich für viele lohnen, die wie Franz Biberkopf in einer Menschenhaut wohnen und denen es passiert wie diesem Franz Biberkopf, nämlich vom Leben mehr zu verlangen als das Butterbrot…”
Aus “Berlin Alexanderplatz” von Alfred Döblin

hauptstadt:

Gesellschaftskritik liegt mir im Blut…

Es ist einfach eine andere Art von Klatsch, und der hält seit jeher die Zivilisation am laufen…

Über die Nachbarin, diese mit den 3 Kindern, die immer die Läuse in den Kindergarten anschleppen, kann ich auch schimpfen, wie die anderen auch… Aber nicht so persönlich, eher kürzer und eben gesellschaftskritischer… Ich versuche es immer in einem größeren Zusammenhang zu sehen… Das gehört sich so, finde ich…

Übrigens lese ich gerade Alfred Döblins “Berlin Alexanderplatz“… Gesellschaftskritik par excellence…

Zu lange habe ich während meiner langer Schichten im Museum das Buch immer ansehen müssen, hinter der Vitrine… Dieses alte hervorragende Cover mit dem Einbahnstraßen-Schild… Ich würde auch gerne Ben Becker in diesem Stück am Theater sehen, wenn es denn noch auf dem Spielplan steht…

Übrigens das oben auf dem Photo, das ist auch Berlin Alexanderplatz… Nicht das von Döblin, aber meins, mein ganz persönliches Berlin Alexanderplatz… Ich habe viele Erinnerungen an diesen Ort, aus ganz verschiedenen Zeiten… Ich bin da wohl nicht die einzige… Da muss man aber sehr tief eintauchen, denn es ist surreal… Wie das Photo…

Ist dieses Berlin Alexanderplatz denn aber anders als das von Döblin…? Ich denke nicht… Eben nur 80 Jahre älter…

“Wir sehen am Schluß den Mann wieder am Alexanderplatz stehen, sehr verändert, ramponiert, aber doch zurechtgebogen. Dies zu betrachten und zu hören wird sich für viele lohnen, die wie Franz Biberkopf in einer Menschenhaut wohnen und denen es passiert wie diesem Franz Biberkopf, nämlich vom Leben mehr zu verlangen als das Butterbrot…”

Aus “Berlin Alexanderplatz” von Alfred Döblin

335 Tag des Jahres 2009
hauptstadt:

Herr Fassad Dassous…
Jetzt war er zwar ein alter Mann aber er hatte eine ganze Menge auf dem Kerbholz. Er sah heute vielleicht wie ein gewöhnlicher schlecht rasierter Wochenendsäufer aus, aber er war viel mehr. Was nicht bedeuten soll, dass er kein Wochenendsäufer war. Denn jeden Freitag begab sich Herr Fassad Dassous, wie er jetzt hieß, in eine Kneipe am Ende seiner Straße in Berlin, wo er sich entweder mit seinem Sohn traf oder mit der Nachbarin, die deswegen ihren kranken Mann alleine zu Hause ließ, oder auch mit irgendjemand anderem, Hauptsache er saß nicht allein zu Hause und stieß nicht mit seinem Spiegelbild an. So sah es doch recht harmlos aus wenn er sich jedes Wochenende besoff. Ein geselliger Typ eben, der keine Gelegenheit auslässt. Er schaffte an jedem Wochenende kultivierte Essrunden, denn um den wahren Grund der Treffen zu verschleiern lud er immer zum großen Fressen ein. Das Essen war immer sehr fein, sehr kultiviert, aber vor allem sehr reichlich. Eigentlich ging es ihm aber nur darum sich gepflegt volllaufen zu lassen. Er hätte die Runde gerne auch jeden Tag veranstaltet, aber es war schwierig genug Freiwillige zu finden, denn obwohl er immer die Zeche zahlte, machten sich seine Tischgenossen  immer rarer. Sein Sohn hatte immer mehr mit seinem endlosen Studium zu tun und die Nachbarin wollte immer öfter dem misstrauischen kranken Ehemann keinen Grund zu Eifersuchtsszenen liefern. Die einzige, die immer dabei war, war seine alte Schwiegermutter, Entschuldigung seine Ex-Schwiegermutter, was aber trotzdem keine Auswirkung auf ihr relativ gutes Verhältnis zueinander hatte.
Herr Dassous, oder aber auch Fassi, wie er sich gerne nennen ließ, lud am Samstagabend zu marinierten Garnelen vom Grill ein, Lammkoteletts in Balsamico-Honig, frittiertem Tintenfisch mit Tamarindensauce oder oder oder… Alles erlesene was sich der Kneipenkoch zu seinen Fress-Sauf-Runden einfallen ließ war ihm genehm. Und der Koch tobte sich aus. Er kaufte nur feinste Zutaten in rauen Mengen und servierte seine Kreationen Fassi und seinen Tischgenossen. Denn der Gastgeber zahlte gut, sehr gut. Und er war ein zuverlässiger Kunde. Seitdem er dieses Lokal zum ersten Mal aus reiner Bequemlichkeit betreten hatte, weil es die an seiner Wohnung nächstgelegene Gelegenheit war sich einen hinter die Binde zu kippen, und das gute Essen probiert hatte, war er zum Stammkunden geworden. Es passte dem iranischen Kneipen-Besitzer ausgesprochen, dass Fassi immer einen ganzen Tisch im Voraus bestellte, mit mindestens fünf Gedecken, und dass er immer den ganzen Abend blieb, bis der Alleinunterhalter am Ende des Restaurants das Mikro in die Hand nahm und die Oldie-Disco ankündigte. Fassi’s Gäste aßen die Hauptspeise, die immer in der Tischmitte serviert wurde, damit sich jeder nach Gusto bedienen konnte, dann aßen sie einen üppigen Nachtisch, und immer bekam jeder unangekündigt ein großes Bier kredenzt, ohne dass er es bestellen musste. Das gehörte zum Ritual. So hatte es der Gastgeber von Anfang an verfügt, damit alle was tranken, und damit das Saufen nicht so viel Mühe machte. Es gab aber auch Cocktails für die Damen und Whiskey für ihn persönlich – für Fassad Dassous. Denn der Herr besoff sich weltmännisch…
Dafür dass er so hieß wie er jetzt hieß, nämlich Fassad Dassous waren übrigens keinesfalls seine Eltern verantwortlich. Daran war nur er selbst schuld, und er fühlte sich jetzt allmählich besser mit diesem Namen, auch wenn er ihn immer noch zwang viel vorsichtiger zu sein, als er ohnehin schon sein musste. Er hätte aber auch jeden anderen x-beliebigen Namen aus dem Telefonbuch tragen können, denn genauso bekam er seinen jetzigen verpasst. Es war der erst beste arabisch klingende Name, den er im Telefonbuch in einer Telefonzelle fand, als er vor 40 Jahren in Berlin angekommen war, denn arabisch musste der Name schon sein, weil er nun mal sein arabisches Aussehen nicht beliebig ändern konnte. Auch als Spion, der er nun mal war, auch mit der ganzen Unterstützung von Mossad, konnte er nun mal nicht seine arabischen Wurzeln verstecken… Dabei konnte die Ironie nicht größer sein, denn er wusste ganz genau, dass Fassad verdorben oder falsch bedeutet, und Dassous, wie sollte es anders sein - Spion… Er musste schmunzeln, in dieser Telefonzelle. „Unter der Laterne ist es immer noch am dunkelsten“ dachte er sich, als er den Namen zufällig gelesen hatte. Von da an, mit diesem neuen Namen, nahm seine Doppelagenten-Tätigkeit in Berlin ihren Lauf…

hauptstadt:

Herr Fassad Dassous

Jetzt war er zwar ein alter Mann aber er hatte eine ganze Menge auf dem Kerbholz. Er sah heute vielleicht wie ein gewöhnlicher schlecht rasierter Wochenendsäufer aus, aber er war viel mehr. Was nicht bedeuten soll, dass er kein Wochenendsäufer war. Denn jeden Freitag begab sich Herr Fassad Dassous, wie er jetzt hieß, in eine Kneipe am Ende seiner Straße in Berlin, wo er sich entweder mit seinem Sohn traf oder mit der Nachbarin, die deswegen ihren kranken Mann alleine zu Hause ließ, oder auch mit irgendjemand anderem, Hauptsache er saß nicht allein zu Hause und stieß nicht mit seinem Spiegelbild an. So sah es doch recht harmlos aus wenn er sich jedes Wochenende besoff. Ein geselliger Typ eben, der keine Gelegenheit auslässt. Er schaffte an jedem Wochenende kultivierte Essrunden, denn um den wahren Grund der Treffen zu verschleiern lud er immer zum großen Fressen ein. Das Essen war immer sehr fein, sehr kultiviert, aber vor allem sehr reichlich. Eigentlich ging es ihm aber nur darum sich gepflegt volllaufen zu lassen. Er hätte die Runde gerne auch jeden Tag veranstaltet, aber es war schwierig genug Freiwillige zu finden, denn obwohl er immer die Zeche zahlte, machten sich seine Tischgenossen  immer rarer. Sein Sohn hatte immer mehr mit seinem endlosen Studium zu tun und die Nachbarin wollte immer öfter dem misstrauischen kranken Ehemann keinen Grund zu Eifersuchtsszenen liefern. Die einzige, die immer dabei war, war seine alte Schwiegermutter, Entschuldigung seine Ex-Schwiegermutter, was aber trotzdem keine Auswirkung auf ihr relativ gutes Verhältnis zueinander hatte.

Herr Dassous, oder aber auch Fassi, wie er sich gerne nennen ließ, lud am Samstagabend zu marinierten Garnelen vom Grill ein, Lammkoteletts in Balsamico-Honig, frittiertem Tintenfisch mit Tamarindensauce oder oder oder… Alles erlesene was sich der Kneipenkoch zu seinen Fress-Sauf-Runden einfallen ließ war ihm genehm. Und der Koch tobte sich aus. Er kaufte nur feinste Zutaten in rauen Mengen und servierte seine Kreationen Fassi und seinen Tischgenossen. Denn der Gastgeber zahlte gut, sehr gut. Und er war ein zuverlässiger Kunde. Seitdem er dieses Lokal zum ersten Mal aus reiner Bequemlichkeit betreten hatte, weil es die an seiner Wohnung nächstgelegene Gelegenheit war sich einen hinter die Binde zu kippen, und das gute Essen probiert hatte, war er zum Stammkunden geworden. Es passte dem iranischen Kneipen-Besitzer ausgesprochen, dass Fassi immer einen ganzen Tisch im Voraus bestellte, mit mindestens fünf Gedecken, und dass er immer den ganzen Abend blieb, bis der Alleinunterhalter am Ende des Restaurants das Mikro in die Hand nahm und die Oldie-Disco ankündigte. Fassi’s Gäste aßen die Hauptspeise, die immer in der Tischmitte serviert wurde, damit sich jeder nach Gusto bedienen konnte, dann aßen sie einen üppigen Nachtisch, und immer bekam jeder unangekündigt ein großes Bier kredenzt, ohne dass er es bestellen musste. Das gehörte zum Ritual. So hatte es der Gastgeber von Anfang an verfügt, damit alle was tranken, und damit das Saufen nicht so viel Mühe machte. Es gab aber auch Cocktails für die Damen und Whiskey für ihn persönlich – für Fassad Dassous. Denn der Herr besoff sich weltmännisch…

Dafür dass er so hieß wie er jetzt hieß, nämlich Fassad Dassous waren übrigens keinesfalls seine Eltern verantwortlich. Daran war nur er selbst schuld, und er fühlte sich jetzt allmählich besser mit diesem Namen, auch wenn er ihn immer noch zwang viel vorsichtiger zu sein, als er ohnehin schon sein musste. Er hätte aber auch jeden anderen x-beliebigen Namen aus dem Telefonbuch tragen können, denn genauso bekam er seinen jetzigen verpasst. Es war der erst beste arabisch klingende Name, den er im Telefonbuch in einer Telefonzelle fand, als er vor 40 Jahren in Berlin angekommen war, denn arabisch musste der Name schon sein, weil er nun mal sein arabisches Aussehen nicht beliebig ändern konnte. Auch als Spion, der er nun mal war, auch mit der ganzen Unterstützung von Mossad, konnte er nun mal nicht seine arabischen Wurzeln verstecken… Dabei konnte die Ironie nicht größer sein, denn er wusste ganz genau, dass Fassad verdorben oder falsch bedeutet, und Dassous, wie sollte es anders sein - Spion… Er musste schmunzeln, in dieser Telefonzelle. „Unter der Laterne ist es immer noch am dunkelsten“ dachte er sich, als er den Namen zufällig gelesen hatte. Von da an, mit diesem neuen Namen, nahm seine Doppelagenten-Tätigkeit in Berlin ihren Lauf…

338 Tag des Jahres 2009
hauptstadt:

In unserer Familie heiratete man schon immer aus Liebe…
Meine Urgroßmutter in rein mütterlicher Linie, eine von Lewinski beging eine Mesalliance - sie heiratete ihren Stallburschen…
Der versoff das ganze adelige Erbe, das sie besaß und ruinierte ihr Leben…
Warum stürzt einen der Verlust eines nicht eingelösten Versprechens in eine große Trauer, und warum macht das Unwissen um seine Möglichkeiten einen selig…?

hauptstadt:

In unserer Familie heiratete man schon immer aus Liebe…

Meine Urgroßmutter in rein mütterlicher Linie, eine von Lewinski beging eine Mesalliance - sie heiratete ihren Stallburschen…

Der versoff das ganze adelige Erbe, das sie besaß und ruinierte ihr Leben…

Warum stürzt einen der Verlust eines nicht eingelösten Versprechens in eine große Trauer, und warum macht das Unwissen um seine Möglichkeiten einen selig…?

335 Tag des Jahres 2009
hauptstadt:

Ich saß in einem schmucklosen Klassenraum in einer polnischen Schule in Nowa Sól… Und die Tränen kullerten meine Wangen runter während ich sprach…
Ich war hier als Übersetzerin, gerade mal in der 11ten Klasse wurde ich zu einer Gedenktafel-Enthüllung an dem Außenlager des KZ-Großrosen auf eine Delegation mit dem Berliner Ex-Bürgermeister Walter Momper entsandt…
Im Rahmen der Veranstaltungen reihten sich obligatorische Friedhofsbesuche, Reden und übliche Gedenkveranstaltungen… Es gab aber auch eine Begegnung… Die Begegnug zwischen deutschen Jugendlichen und einem ehemaligen KZ-Insassen, der ungerührt, wie wahrscheinlich schon Hundert mal davor, von seinen Erfahrungen damals sprach…
Da saß ich nun und übersetze, wie überall auf dieser Reise, vom polnischen ins deutsche… Ich war dort als Übersetzerin, aber ganz so ungerührt konnte ich nicht berichten wie dieser alte Mann neben mir… Aus ihm kamen die Worte klar und klaglos, aus mir die Übersetzung gerührt und schließlich schluchzend…
Er erzählte von den schrecklichen Erfahrungen im KZ, und von der Irrsuche nach einem neuen Leben, als der Krieg zu Ende war, das KZ aufgelöst und die Häftlinge entlassen wurden… Wie sie sich durch die Wälder schlugen ohne Verpflegung, und sich aus alten Büchsen und rostigen Nägeln provisorische Reiben bastelten, um sich wenigstens von der mit Hilfe dieses Werkzeugs abgekratzten Baumrinde ernähren zu können… Als der Krieg zu Ende war, da waren nicht automatisch auch alle Leiden zu Ende…
Ich schluchzte und mit mir die ganze deutsche Delegation in diesem Klassenraum…

hauptstadt:

Ich saß in einem schmucklosen Klassenraum in einer polnischen Schule in Nowa Sól… Und die Tränen kullerten meine Wangen runter während ich sprach…

Ich war hier als Übersetzerin, gerade mal in der 11ten Klasse wurde ich zu einer Gedenktafel-Enthüllung an dem Außenlager des KZ-Großrosen auf eine Delegation mit dem Berliner Ex-Bürgermeister Walter Momper entsandt…

Im Rahmen der Veranstaltungen reihten sich obligatorische Friedhofsbesuche, Reden und übliche Gedenkveranstaltungen… Es gab aber auch eine Begegnung… Die Begegnug zwischen deutschen Jugendlichen und einem ehemaligen KZ-Insassen, der ungerührt, wie wahrscheinlich schon Hundert mal davor, von seinen Erfahrungen damals sprach…

Da saß ich nun und übersetze, wie überall auf dieser Reise, vom polnischen ins deutsche… Ich war dort als Übersetzerin, aber ganz so ungerührt konnte ich nicht berichten wie dieser alte Mann neben mir… Aus ihm kamen die Worte klar und klaglos, aus mir die Übersetzung gerührt und schließlich schluchzend…

Er erzählte von den schrecklichen Erfahrungen im KZ, und von der Irrsuche nach einem neuen Leben, als der Krieg zu Ende war, das KZ aufgelöst und die Häftlinge entlassen wurden… Wie sie sich durch die Wälder schlugen ohne Verpflegung, und sich aus alten Büchsen und rostigen Nägeln provisorische Reiben bastelten, um sich wenigstens von der mit Hilfe dieses Werkzeugs abgekratzten Baumrinde ernähren zu können… Als der Krieg zu Ende war, da waren nicht automatisch auch alle Leiden zu Ende…

Ich schluchzte und mit mir die ganze deutsche Delegation in diesem Klassenraum…

335 Tag des Jahres 2009
hauptstadt:

Sie sagte, sie wußte dass es vorbei war, weil sie aufhörten einander zu berühren…
Dieses ganze zusammen wohnen, zusammen essen, zusammen leben - alles reine Gewohnheitssache…
Es kam ganz schleichend, unmerklich für beide, dass sie aufhörten Körperkontakt zu pflegen… Es fiel keinem von beiden besonders auf…
Als er aber beim Abendessen, als sie beide gleichzeitig nach dem letzten Käsebrot griffen, zufällig ihre Hand berührte, und als beide draufhin zusammenzuckten, da wußte sie, dass es vorbei war, sagte sie…

hauptstadt:

Sie sagte, sie wußte dass es vorbei war, weil sie aufhörten einander zu berühren…

Dieses ganze zusammen wohnen, zusammen essen, zusammen leben - alles reine Gewohnheitssache…

Es kam ganz schleichend, unmerklich für beide, dass sie aufhörten Körperkontakt zu pflegen… Es fiel keinem von beiden besonders auf…

Als er aber beim Abendessen, als sie beide gleichzeitig nach dem letzten Käsebrot griffen, zufällig ihre Hand berührte, und als beide draufhin zusammenzuckten, da wußte sie, dass es vorbei war, sagte sie…

335 Tag des Jahres 2009
hauptstadt:

Was würde es aus einem machen, wenn man im Zuge eines Medizinstudiums seinen eigenen verstorbenen MItstudenten sezieren müsste…
Ich versuche es mir auf einer ganz persönlichen Ebene vorzustellen… Wenn ich es hätte machen müssen… Was würde es denn als Folge aus einem machen?…
Womöglich einen Dichter…
So geschehen im Fall von Friedrich Schiller an der Militärakademie Karlsschule, wo er auf herzoglichen Befehl und gegen den Willen der Eltern mit 14 Jahren eingezogen, und später zwangsweise von der Juristerei auf das neu eingeführte Medizinstudium umsatteln musste…

hauptstadt:

Was würde es aus einem machen, wenn man im Zuge eines Medizinstudiums seinen eigenen verstorbenen MItstudenten sezieren müsste…

Ich versuche es mir auf einer ganz persönlichen Ebene vorzustellen… Wenn ich es hätte machen müssen… Was würde es denn als Folge aus einem machen?…

Womöglich einen Dichter

So geschehen im Fall von Friedrich Schiller an der Militärakademie Karlsschule, wo er auf herzoglichen Befehl und gegen den Willen der Eltern mit 14 Jahren eingezogen, und später zwangsweise von der Juristerei auf das neu eingeführte Medizinstudium umsatteln musste…

335 Tag des Jahres 2009
hauptstadt:

Ich schenke mir Glück,
ich brauche es sehr…
Wenn keiner’s mir gibt,
dann hole ich’s mir her…
Es hängt an der Wand,
verheißt frohe Zeit…
Vergessen sind Not,
Pech, Schmerz und auch Leid…

hauptstadt:

Ich schenke mir Glück,

ich brauche es sehr…

Wenn keiner’s mir gibt,

dann hole ich’s mir her…

Es hängt an der Wand,

verheißt frohe Zeit…

Vergessen sind Not,

Pech, Schmerz und auch Leid…

335 Tag des Jahres 2009
hauptstadt:

Einige wissen um das Wissen und das weiß ich genau…
Wer es jedoch weiß, der weiß zu viel…

hauptstadt:

Einige wissen um das Wissen und das weiß ich genau…

Wer es jedoch weiß, der weiß zu viel…

335 Tag des Jahres 2009